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BILDER, DIE BALSAM FÜR DIE SEELE SIND.
BILDER, DIE BALSAM FÜR DIE SEELE SIND.
Strahlenförmig laufen die Farbstränge auf eine Mitte zu. Scheinen in einem zentralen Loch unterzugehen. Das Bild saugt den
Betrachter förmlich auf. In grellen Farben, dezenten Tönen oder in tiefem Schwarz heben sich die Linien plastisch von der
Leinwand ab. In „The Creation of Adam after Michelangelo“ lässt der Künstler dünne Fäden grau-weiße Flächen durchlaufen,
verleiht dem Werk so eine atmosphärische Leichtigkeit. Körperlich, gleich einer Skulptur, kommt seine Kreation „Je me demande“
daher. „Wo bin ich im Universum?“, das frage er sich oft, verrät Eric Decastro beim Gang durch seine Ausstellung in
der Stadtgalerie im historischen Badehaus. Wer sich auf die abstrakte Malerei des in Burgund geborenen Franzosen einlässt,
kann sich darin verlieren.
Seit über 30 Jahren lebt der 57-Jährige in Deutschland. Hat seinen Lebenskreis in Langen, arbeitet in seinem Atelier in
Dreieich. Sein Lebenslauf ist für einen Maler so bemerkenswert, der Mut zum Experimentieren, zum Überschreiten der
Grenzen in seiner Kunst so kompromisslos, dass er den Betrachter mit jedem seiner Werke herausfordert. Ganz aktuell, in
diesem Jahr, ist die Arbeit „Heart, Wind and Fire“ entstanden. Er versuche die drei Elemente „Herz, Wind und Feuer“ zu vereinigen
merkt Decastro an. Auch wenn das Bild wie eine Skulptur wirke, „es besteht nur aus Farbe“. Wie nebenbei streift er die
eigene Technik, die er beim Malen entwickelt hat. Decastro vermischt Farbpartikel mit Acryl, drückt die Farbe aus der Pipette
auf Glas oder Leinwand, lässt die Farbstränge trocknen, formt sie mit Händen und Füßen. Und lässt so reliefartige Formen
entstehen.
Dass das „Herz“ in seinen Bildern eine immer wiederkehrende Rolle spielt, geschieht nicht zufällig. Loslassen, Sterben und das
Bewusstsein für die Natur, verrät der Künstler, sind Themen, die ihn berühren. Regelmäßig hilft er in Frankfurt in einem Hospiz.
Überlässt den „Gästen“, die er in dem Haus auf ihrem letzten Weg begleitet, einige seiner Arbeiten in ausgesuchten Farben.
Denn beispielsweise Gelb, weiß Decastro, habe eine heilende Wirkung. Seine „Zentrumbilder“, eine Serie die er in tiefem
Schwarz geschaffen hat, haben für den Künstler therapeutischen Charakter. Seine „Nahtoderfahrung“ nach einem Unfall vor
einigen Jahren versucht er, damit zu verarbeiten. Als sein Lieblingsbild in den hohen, lichten Räumen der Stadtgalerie deutet
Decastro ein großformatiges, in strahlendem Grün geschaffenes Werk aus – „Mother Nature Please Come Back“. Das Werk soll
mahnen, das Bewusstsein der Menschen für die Natur wecken.
Der Blick in eins der beiden Kabinette, lässt einen anderen Decastro sprechen. „Loslassen“ ist hier sein Thema und wieder
geht die Freude am Testen mit ihm durch. Eine Öllandschaft im Stil seines Vorbildes Salvador Dalì hat Decastro 1983 gemalt.
Dreißig Jahre später, 2013, hat er die Arbeit à la Jackson Pollock übermalt und mit dem Titel: „Dali et Pollock se retrouvent
enfin“ in einen schweren Goldrahmen gesteckt. Völlig unerwartet vervollständigen Skulpturen seine Ausstellung. Einfache
Holzblöcke, die Decastro mit Blei ummantelt und bemalt hat. Skulpturen, findet der Franzose, gehörten zum Repertoire eines
jeden Künstlers, der zeitgenössisch malt.
Dass Eric Decastros Vater Unternehmer war und seine Mutter Künstlerin, die ihm das Malen in der Natur beigebracht hat, berichtete
Kunsthistoriker Martin Schmidt bei der Ausstellungseröffnung. Decastro habe das Handwerk des Siebdruckers erlernt,
ein IT-Unternehmen erfolgreich geführt („Ich musste ja meine Familie ernähren“, wirft Eric Decastro ein) und sei auf diesem
ungewöhnlichen Lebensweg „zum Universalkünstler“ geworden. „Er ist ein Poet, der seine beeindruckende Sichtweise der
Welt festhält und uns nahe bringt.“
Autor: Brigitte Kramer August 2017
Ludwig Seyfarth September 2017
Ludwig Seyfarth September 2017
Die Luecken im Gitter
Gedanken zur Malerei von Eric Decastro Der Schriftsteller
Joachim Gasquet hat beschrieben, wie Paul Cézanne, einer der
wichtigsten Wegbereiter der abstrakten Malerei, sich die gelungene
Komposition eines Bildes vorstellte. Cézanne habe die Hände mit
gespreizten Fingern ausgebreitet, sie langsam einander genähert,
miteinander verbunden, krampfhaft ineinander verschränkt und
gesagt: „Die Gegenstände durchdringen sich gegenseitig.“ 2
So wie Cézanne das Zusammenwirken der einzelnen Bildelemente
beschreibt, erscheint der Farbauftrag fast wie eine Skulptur, die
sich von der planen Oberfläche gelöst hat und imaginär vor ihr zu
schweben scheint. Das könnte fast eine Beschreibung vieler Bilder
von Eric Decastro sein.
Mit der Überlagerung verschiedener Schichten von Acryl, String-
Gel gemischt mit Pigment, die trotz dichter Strukturen einen
sauberen, präzisen Verlauf bilden, greift Eric Decastro nicht nur
Bildkonzepte Cézannes oder der klassischen ungegenständlichen
Moderne auf. Er setzt auch Erfahrungen um, welche die Maler damals
noch nicht machen konnten. Es ist die zum Alltag gewordene
Erfahrung, am Bildschirm zu arbeiten.
Der Bildschirm unterscheidet sich von der Leinwand schon dadurch,
dass er von hinten leuchtet und keinen „Grund“ hat außer
der Scheibe, hinter der alles erscheint und auch jederzeit wieder
verschwinden kann. Es gibt keinen Träger, auf dem etwas haftet.
Und wer mit Photoshop oder anderen Bildprogrammen ‚malt‘, hat
es mit sich flächig überlagernden sogenannten Layers zu tun. Die
sich dadurch ergebende Schichtenräumlichkeit lässt sich auch in
der Überlagerung verschiedener Malprozesse auf vielen Bildern
Decastros erkennen.
Die Farbverläufe, die vor allem bei einigen den neuesten Bildern
von 2017 losgelöst vor dem Grund schweben, erwecken gleichzeitig den Eindruck, als ob sie – wie digitalkreierte Gestaltungen – keine
physische Basis hätten. Solche Effekte beruhen auch auf einer
handwerklichen Virtuosität, wie sie etwa bei der klassischen informellen
und tachistischen Malerei selten herausgestellt wurde.
Der Farbauftrag lässt in seiner Konsistenz fast an die Materialisierung
von Strukturen denken, die am Rechner entworfen
und dann mit einem 3D-Printer ausgedruckt wurden. Decastros
Bilder lassen sich als ungegenständliche Trompe-l’oeil auffassen,
bei denen räumliche Illusionen die flächig organisierte Bildstruktur
durchbrechen. So lassen die Lücken oder Löcher, die auf den
deconstruction et reconstruction abstraite betitelten Bildern die
gitterartigen Strukturen durchbrechen, diese fast vexierbildartig entweder
vor ihnen schwebend oder von ihnen überdeckt erscheinen.
Das ist auch inspiriert von den illusionistischen Möglichkeiten,
die Visualisierungen am Computer heute bieten. Diese sind für
Decastro jedoch nur dann interessant, wenn sie ihn zur Weiterentwicklung
seiner Malerei inspirieren. Er weiß, dass wir in einer
Zeit leben, die schon durch die Technik, derer sie sich bedient,
von Rückbezüglichkeit, ständiger Abrufbarkeit, Löschbarkeit und
Veränderbarkeit geprägt ist. Am Computer lässt sich fast alles
simulieren, auch sämtliche Malstile, die es je gegeben hat. Gerade
weil er genau weiß, was mit digitalen Mitteln alles realisierbar ist,
wählt Decastro das Medium der Malerei. Die Betrachter, die körperlich
mit seinen Bildern konfrontiert sind, können nicht einfach
die Reset-Taste drücken, aber spüren auf einmal den Boden unter
ihren Füssen, ganz ohne Illusion.
Autor: Ludwig Seyfarth September 2017
Artist Talk Kunstverein Mosbach
SNAFU II
SNAFU II

Zweites Künstlergespräch und Ausstellungsrundgang am Sonntag, 4. Oktober, 14.00 Uhr, im Kulturforum Vis á Vis in Buchen

Der Kunstverein Neckar-Odenwald widmet sich mit der aktuellen Gruppenausstellung
SNAFU II dem Thema Gewalt im Alltagsgeschehen. Der Titel „SNAFU II- situation normal all fucked up“, ursprünglich aus der Zeit des 2. Weltkrieges, diente amerikanischen Soldaten als Kürzel, eigentlich eine Verschlüsselung aus dem Radiokontext, um den scheinbar zur Normalität gewordenen Kriegsalltag zu beschreiben.

Der Kunstverein Neckar-Odenwald lädt Besucher für den kommenden Sonntag ein, sich bei einem weiteren Ausstellungsrundgang mit Sandra Mann, Eric Decastro und Ulrike Thiele den sehr unterschiedlichen Kunst-Positionen zum Thema Gewalt zu nähern. Es sind Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Fotografie, Installation und Mixed Media zu sehen.

Zur Gruppe der 10 national und international arbeitenden Künstler, die von Eric Decastro, Sandra Mann und Ichiro Irie, der auch für den Titel verantwortlich zeichnet, kuratiert wurde, zählen Jonathan Meese, Manfred Peckl, Thomas Ruff, Marcus Sendlinger, Ulrike Thiele, Margret Wibmer und Thomas Zipp.

SNAFU II, 20. Sept. – 18. Okt. 2015. Öffnungszeiten: Di – Fr und So, 14 - 17 Uhr.
Kunstverein Neckar-Odenwald, Kulturforum Vis á Vis, Kellereistr. 23, 74722 Buchen,


www.kunstverein-neckar-odenwald.de,